Schon seit Jahren wird darüber diskutiert, wie man den Frauenanteil in der Führungsebene deutscher Unternehmen erhöhen könnte. Denn noch immer sind weibliche Führungskräfte in Top-Positionen börsennotierter Unternehmen rar gesät – mal abgesehen von den frappierenden Unterschieden des Lohnniveaus.
Hier eine Übersicht der Frauen in Vorständen großer deutscher Unternehmen, welche vom Deutschen Institut für Wirtschafsforschung (DIW) letztes Jahr veröffentlicht wurde:
In den zehn umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland gibt es insgesamt 68 Vorstandspositionen – von denen exakt eine Führungsposition durch eine Frau besetzt ist: Es handelt sich um Barbara Kux bei Siemens!
Der Frauenanteil in den Aufsichts- und Verwaltungsräten der 200 größten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors beträgt weniger als zehn Prozent (Top 100: 9,8 Prozent). Im Vergleich zu 2006 hat sich dieser Anteil um 1,5 Prozentpunkte verbessert. Nach wie vor werden die meisten Frauen – knapp drei Viertel – von Arbeitnehmervertretungen entsandt.
Quelle:DIW, 2009
Dieses Resümee des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist durchaus ernüchternd, vor allem dass knapp 80 Prozent der weiblichen Aufsichtsräte aufgrund der Mitbestimmungsregeln von Arbeitnehmerseite zu ihrem Posten gelangt sind! Näheres dazu in der Publikation des DIW “Nach wie vor kaum Frauen in den Top-Gremien großer Unternehmen”.
Nicht zuletzt diverse Untersuchungen zur Steigerung der Unternehmenseffizienz und Erfolge aus anderen Ländern offenbaren für deutsche Unternehmen vehementen Handlungsbedarf – schließlich geht es auch um die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft:
“Ergebnisse aus Finnland zeigen, dass Unternehmen mit ausgeglichener Führung rund zehn Prozent mehr Gewinn erzielen. In Frankreich kamen unter den Top 40 börsennotierten Unternehmen jene mit mehr weiblichen Entscheidungsträgern glimpflicher durch die Krise als der Rest. Und einer Studie der schwedischen EU-Ratspräsidentschaft zufolge würde das Bruttoinlandsprodukt europäischer Staaten um 15 bis 45 Prozent steigen, wenn sie geschlechtsspezifische Unterschiede in der Wirtschaft beseitigten.”
Quelle: FR, 10.06.2010
Brauchen wir also eine Frauenquote? Beispiele aus anderen Ländern legen eine gesetzliche Regelung nahe:
Spanien
- Quotenregelung seit 2007
- Ziel: bis 2015 sollen die 35 größten Unternehmen einen Frauenanteil von 40% vorweisen können
- Vorgehensweise: Bei Quotenerfüllung werden diese Unternehmen bei der staatlichen Vergabe von Aufträgen bevorzugt behandelt, es werden keine Sanktionen verhängt
- Effekt: Frauanteil in Führungspositionen konnte verdoppelt werden von 5% in 2006 auf  knapp 10% in 2009.
Norwegen:
- Quotenregelung seit 2006
- Ziel: privatwirtschaftliche Unternehmen sollten bis 2008 eine Quote beider Geschlechter von jeweils 40 Prozent in den Führungspositionen vorweisen (für staatliche Unternehmen wurde diese gesetzliche Vorgabe schon in 2004 umgesetzt)
- Vorgehensweise: Nicht-Erfüllung der Gender-Quote wird mit Geldstrafen sanktioniert, im Extremfall droht den Unternehmen sogar die Auflösung
- Effekt: 42 Prozent der Aufsichtsräte in Norwegens großen börsennotierten Unternehmen sind Frauen.
Belgien, Finnland, Österreich und Schweden sind dabei ähnliche Gesetze auf den Weg zu bringen.
Braucht Deutschland eine Frauenquote? In der Politik wird das Thema zur Zeit wieder einmal heiß diskutiert – wobei die Bundesregierung einer Quotenregelung bislang eher ablehnend gegenüber steht, wie es auch heute in der FRÂ nachzulesen ist: “Selbstverpflichtung oder Quote”, Ausgabe vom 11.06.2010, S.17) .
Wie sieht es jedoch mit der Akzeptanz einer gesetzlich geregelten Frauenquote in der deutschen Bevölkerung aus?
Wir haben nachgefragt!
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